Mr. Peabody und die Meerjungfrau ist ein weithin in Vergessenheit geratener Film aus dem Jahre 1948, basierend auf dem ähnlich unbekannten Buch von Guy Jones. Wie der Titel schon überdeutlich macht, handelt es sich um ein modernes Märchen, das Eheprobleme, die Midlife-Crisis und eine kleine Nixe ohne Schwierigkeiten zu einer wahrhaft zauberhaften Mischung verschmelzen lässt.

Die Hauptfigur der Geschichte ist Arthur Peabody, ein noch rüstiger, aber doch nicht mehr junger Mann, der mit Sorge seinem 50. Geburtstag entgegen sieht. Er hält sich gemeinsam mit seiner Frau in einer Ferienwohnung am Meer auf, wo nicht nur die Ehefrau, sondern auch eine übereifrige Verehrerin an ihm Interesse zeigen, während er selbst eigentlich nur seine Ruhe sucht.
Die banale Gesetzmäßigkeit wird gestört, als Mr. Peabody bei einem Angelausflug unerwartet eine kleine, stumme Meerjungfrau ins Boot zieht. Das Nixlein wird von ihm Lenora getauft und kurzerhand mit nach Hause genommen, wo sie zuerst in der heimischen Badewanne und dann im Zierteich des Hotels ein neues Heim in seiner Nähe finden soll. Es folgen die üblichen Verwechslungen und Verdächtigungen, an deren Ende Mr. Peabody seine Ehefrau und die junge Verehrerin gleichermaßen um Lenoras Willen verschreckt hat – so erfolgreich, dass die Polizei ihn sogar für den Mord an seiner Frau verdächtigt.
Doch Mr. Peabody ist so vernarrt in Lenora, dass er nur noch mit ihr zusammen weit fortziehen will, und so fahren die beiden in einem kleinen Boot gemeinsam hinaus aufs Meer. Dort werden sie von den Polizisten gerade rechtzeitig eingeholt, als Mr. Peabody unter seltsamen Umständen zu ertrinken droht, so dass er im letzten Moment aus den Klauen des Meeres gerettet werden kann.
Die ganze Geschichte ist in die Rahmenhandlung einer Therapiesitzung eingebettet, während der Mr. Peabody auf Drängen der Ehefrau dem Arzt seine Erlebnisse erzählt. Dieser Rahmen, der der Geschichte durchweg eine besondere, fabelartige Note verleiht, legt vor allem eine interessante Betonung auf die Wahrhaftigkeit der Erzählung. Im Gegensatz zu so vielen anderen halbfantastischen Erzählungen behauptet der Film gar nicht, dass seine Darstellung real sei, sondern erzählt die Geschichte eindeutig als Wunschfantasie eines alternden Mannes – was allerdings nicht nur durch die Ernsthaftigkeit des Berichtes, sondern auch durch Lenoras Kamm, den Mr. Peabody seiner Frau am Ende schenkt, unterwandert wird.

Diese Friedensgeste kommt umso unerwarteter, als das Verhältnis der beiden den ganzen Film über extrem wertend dargestellt wird. Der Mann, der mit Peabody zwar schon einen vielsagenden Namen innehat, aber gleichzeitig den Königsnamen Arthur trägt, befindet sich mit seinen 50 Jahren an der Grenze zwischen Männlichkeit und Alter, was ihn seine Frau die ganze Zeit über auf geradezu sadistische Weise spüren lässt. So kann der Zuschauer vollkommen mitfühlen, wie sich Mr. Peabody nach der Jugend und einem neuen Feld sehnt; sogar die Liebelei mit dem blutjungen Wassermädchen erscheint dadurch moralisch vollkommen gerechtfertigt.
Dabei ist Lenora natürlich der Inbegriff eines absoluten Männertraumes: Sie ist jung, unschuldig und verliebt, gleichzeitig stumm, und mit jeder Faser vollkommen von der starken Hand des Mannes abhängig. Mr. Peabody gibt selbst zu, dass er einfach nur als Mann gebraucht und bewundert werden will; die eigene Frau und die Stalkerin sind ihm zu selbstbewusst und fordernd, und in Lenora findet er ein zartes, zerbrechliches Gegenstück zu der emanzipierten weiblichen Realität. Aber trotz dieser chauvinistischen Grundkonstellation zeigt sich Mr. Peabody gleichzeitig so rührend unschuldig, dass man ihm diese wahrgewordene Männerfantasie gern verzeiht – er hat sich seinen Wunschtraum verdient und es ist umso schöner, dass dieser entgegen jeder Wahrscheinlichkeit für kurze Zeit in Erfüllung geht.
Dazu kommt, dass eine Meerjungfrau ja schon per Definition einen vollkommen unschuldigen Traum darstellt, mit dem Mr. Peabody seine Ehefrau nie so betrügen könnte, wie sie das (wenn auch mit einer anderen Frau) durchaus argwöhnt.

Das Ende der ganzen Geschichte, wenn Mr. Peabody reumütig zu seiner Frau zurückkehrt und ihr Lenoras Kamm überreicht, stellt den Film mehr als alles andere als ein zartes, unwirkliches Märchen dar. Das Finale, in dem der Held mit seiner Nixe fortgehen will und dabei in ihren Händen beinahe ertrinkt, könnte mit einem anderen Schluss perfekt melancholisch sein, aber durch die Rahmenerzählung wird festgestellt, dass Mr. Peabody sein Abenteuer überleben muss – und es ist von Beginn an klar, dass seine Traumblase zum Scheitern verurteilt ist. Doch auch diese Entwicklung ist nicht negativ oder traurig; Mr. Peabody hat seinen Traum (ob nun reell oder nicht) gehabt, der ihm über die gefürchtete 50 hinweghelfen konnte, und nun wird aufgezeigt, dass auch so das Leben absolut nicht vorbei ist. Wenn sein Abenteuer auch noch so schön war, ist für ihn die Meerjungfrau doch nicht nötig, um auch seine zweite Lebenshälfte in glücklicher Zweisamkeit zu verbringen.