Getagged: Musicals

Der Besuch der Alten Dame – ein Musical-Abend bei den Thuner Seespielen

Als großer Bewunderer Friedrich Dürenmatts kann ich sagen, dass mich keines seiner Werke so gefesselt hat wie Der Besuch der Alten Dame, die grausame Tragikkomödie, in dem eine steinreiche Dame in ihre Heimatstadt zurückkehrt, um sich die langentbehrte Rache an ihrer Jugendliebe zu erkaufen. Und gerade weil die Grundidee des Stücks so simpel ist, ist das Theater wohl der einzig passende Ort für Dürrenmatts Geschichte – nur dort ist es möglich, die Handlung in all ihrer Vorbehaltslosigkeit gleichzeitig absurd und dennoch beklemmend realistisch darzustellen. Das ist auch der Grund, warum ich die Theateraufnahme von 1959 als die einzig wahre Verfilmung des Stoffes ansehe; die Hollywood-Fassung von 1963 oder gar dem jüngst erschienenen, krampfhaft vertragisierten Film von 2008 gelingt es einfach nicht, dem Stück wirklich Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Wie Dürrenmatt selbst sagte: „Die Alte Dame ist ein böses Stück, aber gerade deshalb darf es nicht böse, sondern muss aufs humanste wiedergegeben werden, mit Trauer, nicht mit Zorn, doch auch mit Humor, denn nichts schadet dieser Komödie, die tragisch endet, mehr als tierischer Ernst.“
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Les Comédies Musicales: Autant en emporte le Vent

Nachdem das Musicals Roméo & Juliette sich als riesiger Erfolg herausstellte, versuchte Komponist Gérard Presgurvic, das gleiche Konzept zwei Jahre später noch einmal umzusetzen. Wieder handelte es sich um eine weithin bekannte Liebesgeschichte: Diesmal ist es Margaret Mitchells Südstaatendrama Vom Winde verweht, das mit Autant en emporte le Vent in eine aufwändige Show verpackt wurde.

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West Side Story vs. Shakespeare

Ich bin im Allgemeinen der Erste, der sich dagegen verwehrt, ein Werk als unantastbar einzustufen, nur weil es als hohe Kultur gilt. Keiner der großen Meister war wirklich unfehlbar, und viele althergebrachte Kunstwerke wurden seit Ewigkeiten so auf einen Sockel gestellt, dass ihre Schwächen gar nicht mehr wahrgenommen werden dürfen. Wenn dann doch einmal eine Adaption sich bemüht, ihr Ursprungsmaterial noch zu perfektionieren, so kann das Ergebnis überraschende und beeindruckende Züge annehmen. Aber gleichzeitig gilt sicherlich auch das Gegenargument: Wenn ein Buch, ein Bildnis oder ein Theaterstück seit Jahrhunderten als genial gelten, so hat das in den meisten Fällen auch seine Gründe, und ein moderner Bearbeiter sollte seinerseits einen wirklich guten Grund haben, diese Klassiker zu verändern.
Shakespeare kann wohl als Musterbeispiel für beide Seiten der Überlegung gelten. Größere Klassiker als die Stücke des Barden gibt es in unserem Kulturkreis kaum, und seine Texte wird man wohl mit jedem Recht als genial bezeichnen. Doch auf der anderen Seite haben auch die grandiosesten seiner Werke oft dieselben inhaltlichen Schwächen: Die Handlung wird von konstruierten Zufällen angetrieben, die Nebenfiguren sind zwei- bis eindimensional und nicht immer sind die Geschichten selbst wirklich durchdacht.
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Les Comédies Musicales: Roméo & Juliette


Romeo und Julia dürfte William Shakespeares berühmtestes Stück sein, mit Sicherheit jedenfalls sein bekanntestes und die eine Liebesgeschichte, von der das Publikum offensichtlich nie genug bekommen kann. Neben den verschiedensten Opern-, Ballett- und Filmadaptionen, klassisch wie modern, existiert mit West Side Story ja auch seit langem eine sehr erfolgreiche Musicalversion des Stoffes – auch wenn ich persönlich einige Probleme habe, Bernsteins Klassiker als auch nur annähernd würdige Umsetzung von Shakespeare zu betrachten.
Die gerade in Amerika andauernde Beliebtheit von West Side Story hat die Franzosen aber zum Glück nicht davon abgehalten, 2001 ihre eigene Musicalversion des Klassikers ins Rennen zu schicken: Roméo & Juliette – de la Haine à l‘Amour von Gérard Presgurvic.
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Warum Operngesang unverständlich ist – eine Überlegung


Wenn man sich die Unterschiede anschauen will, die in der heutigen Auffassung zwischen Opern- und Musicalaufführungen gemacht werden, betritt man schnell ein weites Feld – ich könnte von bemühter Kulturrettung reden, von Subventionierungen und prätentiösen Inszenierungen, bei denen mehr Wert auf das Ego des Regisseurs gelegt wird als auf das Interesse der Zuschauer. Aber ich denke, dass einer der bedeutenderen Punkte, die nicht allzu offensichtlich scheinen, in der Frage besteht, welche Stellung der Gesang selbst in der Inszenierung innehat.
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Les Comédies Musicales: Cléopâtre – La dernière reine d’Égypte

Das Leben von Kleopatra VII, der letzten Königin Ägyptens (und einer von zwei weiblichen Herrschern des Landes) bietet seit über zweitausend Jahren Material für Berichte, Theaterstücke, Romane, Filme und verschiedenste musikalische Bearbeitungen. Zu faszinierend ist die Geschichte ihrer kurzen Herrschaft und ihres Bundes mit zweien der mächtigsten Männer ihrer Zeit, und zu verlockend die Möglichkeit, Kleopatra immer wieder verschiedenste Motive und Charakterzüge unterzuschieben – von der männerfressenden Kurtisane über die Strategin bis zur ehrlich verliebten Gattin Cäsars und Mutter seines Sohnes.
Die Version, die als Cléopâtre, la dernière reine d’Égypte 2009 von Kamel Ouali als Musical inszeniert wurde, bietet eine einigermaßen ausgewogene Mischung all dieser Einflüsse; das Leben der Königin von ihrer ersten Begegnung mit Cäsar bis zu ihrem Tod wird als fulminantes Spektakel präsentiert, das die Bekanntheit der Geschichte mit großen Schauwerten ausgleicht. Ohne Kleopatra je wirklich zu verdammen, werden ihre Bemühungen um die Gunst von Cäsar und später Marcus Antonius dabei als höchst strategische Entscheidungen dargestellt, bei denen die junge Frau ihre naturgegebenen Mittel ohne Skrupel einsetzt.
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‚We Will Rock You‘ sucks!

Das Prinzip von Jukeboxmusicals, also Shows, die bereits bekannte Schlager in eine mehr oder weniger zusammenhängende Geschichte einbetten, gibt es schon seit den 60er Jahren, doch spätestens seit dem Abba-Zusammenschnitt Mamma Mia! erlebt diese Art der Musical-Produktion ein völlig neues Hoch. Ob nun Ich war noch niemals in New York oder Hinterm Horizont, die Hits bekannter Stars zu nutzen, um vor allem die nostalgiebelastete Generation damit in die Musical-Säle zu locken, ist ein nahezu risikofreies Erfolgsprinzip. Dabei ist die eigentliche Geschichte, die sich zwischen den Liedern versteckt, beinahe gleichgültig, dient sie doch kaum zu mehr als zu einem Alibi um die wahren musikalischen Stars zum Scheinen zu bringen. Das heißt natürlich nicht, dass solch ein Unterfangen aus künstlerischer Sicht von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist – gerade die Filmversion von Mamma Mia! hat mir sehr gefallen, nicht zuletzt deshalb, weil trotz des Gute-Laune-Charakters von Geschichte und Musik auch durchaus für tiefgreifendere Momente Raum gelassen wurde. Und auch eine simple Story mit garantiertem Happyend kann schließlich zu gefallen wissen, solange sie authentisch aufgebaut ist und sich traut, sich selbst ernst zu nehmen.
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Über unsinkbare Schiffe und unsterbliche Legenden

Die menschliche Geschichte ist erfüllt von einer Unmenge grandioser Katastrophen – eine Tatsache, die wohl in der Natur des Lebens liegt. Aber dennoch scheint es oft eine ganz bestimmte Art Unglück zu sein, die sich im allgemeinen Gedächtnis festzubrennen vermag; ob nun der Untergang eines großen Reiches, die Zerstörung einer prächtigen Stadt oder das schlimme Ende einer bedeutenden Persönlichkeit.
Im Musical Elisabeth bietet der Attentäter Luigi Lucheni für diese Schwerpunktlegung eine Erklärung: „Das rührt doch jedes Herz, da schaudert man und denkt voll Sympathie: Die Großen trifft es auch! Gott sei Dank sind wir nicht reich und mächtig und erhöht wie die.“
Aber auch wenn diese Einschätzung wohl so zynisch wie wahr ist, gibt es denke ich einen größeren Rahmen, in dem die Faszination für gefallene Größen betrachtet werden sollte. Es hat etwas Mythisches, wenn Menschen versuchen, über sich selbst hinauszuwachsen und sich gegen jede höhere Macht zu stellen – und ob nun im Falle von Prometheus oder bei dem Turmbau zu Babel, in jeder der alten Religionen sind es schließlich die Gottheiten, die den Menschen für seine Hybris zur Rechenschaft rufen.

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Grüne Hexen und verzauberte Frösche

Es ist nicht schwer, in den klassischen Märchenszenarien Parallelen und gängige Klischees zu finden, doch um einiges interessanter scheint es, wenn man sich die Ähnlichkeiten zweier eher ungewöhnlicher Werke moderner Märchenkultur ansieht: das Musical Wicked – und zwar speziell Musical und nicht Maguires Roman – und der Disneyfilm Die Froschprinzessin (ja, ich weiß, der Film heißt auf Deutsch offiziell Küss den Frosch – aber mein Blog, meine Regeln).

An sich liegt der Vergleich gar nicht so fern; bei beidem handelt es sich um die Invertierung einer klassischen Geschichte (Der Zauberer von Oz und Der Froschkönig), die die Urgeschichte aber mit einer eigenen moralischen Interpretation füllt. Daher werden auch beide Werke in einem eher unkonventionellen Tonfall erzählt; wenn sie (im Gegensatz zum Roman Wicked) auch beide als Märchen verbleiben, ist ihre Struktur doch neu und frisch. So kommt es bei beiden zu einer bewusst sonderbaren Konstellation mit einem mehr als ungewöhnlichen Liebespaar, bei dem die typische Braut leer ausgeht. Man könnte sagen, es ist ironisch, dass aus diesem „unkonventionellem“ Ansatz nun wieder höchst parallele Strukturen entstanden sind.
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Verschiedene Grüntöne im Lande Oz

Zu dem weitreichenden Kosmos von L. Frank Baums Zauberland Oz, das sich neben den vierzehn von ihm selbst geschriebenen Büchern noch aus ungezählten Adaptionen anderer Künstler und nicht zuletzt dem Filmklassiker Der Zauberer von Oz von 1939 zusammenfügt, ist eine neue Bearbeitung hinzugekommen: Die fantastische Welt von Oz
Das neue Fantasy-Spektakel aus dem Hause Disney erzählt, wie der Zauberer von Oz in dem nach ihm benannten Lande ankommt und zu dem wird, was er ist – oder besser gesagt, was er vorgibt, zu sein. Doch neben dieser Entwicklung von „Oz, dem Großen und Mächtigen“ selbst, ist es vor allem die Geschichte von Glinda, Theodora und Evanora, der drei Hexen von Oz und ihrer ambivalenten Beziehung zueinander.

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