Getagged: Filme

Frank’N’Furter, Lisle von Rhoman und der Finger Gottes

Wenn man sich eine bildliche Darstellung Gottes vor Augen rufen will, so wird man wohl unweigerlich auf Die Erschaffung des Adam von Michelangelo stoßen, den zentralen Teil des Deckenfreskos der Sixtinische Kapelle. Das Bild ist so ikonisch wie kaum ein religiöses Gemälde sonst, und als die Darstellung der Erschaffung des Menschen an sich hat es sich längst im allgemeinen Bewusstsein verewigt.

Von daher ist dieses Gemälde ideal für jede Art von übertragener Nutzung oder auch symbolischer Verwendung, gerade auch in abgewandelter Form. Ob es nun um eine „offizielle“ Darstellung des Spaghettimonsters oder um ganz simple Parodien oder Hommagen an den christlichen Glauben geht, Michelangelos Bild ist stets ein Garant für einen allumfassenden Wiedererkennungswert des Originals.
Unter den endlosen Wiederverwendungen und Verfremdungen des Gemäldes habe ich persönlich zwei ganz klare Favoriten, nämlich die Nutzung der Erschaffung des Adam in der Rocky Horror Picture Show und in dem (sicherlich von ersterem inspirierten) Der Tod steht ihr gut – zwei filmische Werke, die Michelangelos Meisterwerk auf nahezu identische Weise einsetzen.
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Umbridge und die Häuser von Hogwarts

Die Harry-Potter-Bücher von Joanne K. Rowling bewegen sich längst in einer vollkommen eigenen Liga, in ihrem Erfolg kaum vergleichbar mit irgendeiner anderen Art Literatur. Dieses Phänomen zu hinterfragen oder gar erklären zu wollen haben bislang genug Menschen versucht – generell mit eher mäßigem Ergebnis.
Ich selbst würde gar nicht versuchen, zu ergründen, was genau nun gerade Harry Potter so einmalig macht. Mit Sicherheit verfügt Rowling über einen fantastischen Schreibstil, mit dem sie ihre Leser mitzureißen vermag, und der diese ganze, quirlige Fantasywelt erst wirklich zum Leben erweckt.
So weit, dass man darüber gerne vergisst, die Welt in und um Hogwarts wirklich mit strengen Augen zu durchleuchten.
Denn seien wir ehrlich: Eigentlich weist das Harry-Potter-Universum einige nicht unerhebliche logische Probleme auf, die bei genauerer Durchleuchtung nur zu offensichtlich werden. Das fängt mit dem regelmäßigen Deus ex Machina pro Band an, oder mit simplen faktischen Fehlern wie der Klassengröße Hogwarts verglichen mit der dazugehörigen Schüler- und Lehrerzahl. Dann sind da die praktisch allmächtigen Zauber wie der Zeitumkehrer, der Glückstrank Felix Felicis und der Unbrechbare Schwur, die praktischerweise außerhalb ihrer eigentlichen Storyfunktion nie mehr erwähnt werden. Als ob Voldemort mit einem derart praktischen Schwur nicht längst sämtliche Todesser auf absolute Loyalität verschworen hätte.
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Strange things did happen: The Hanging Tree und Das Lied vom Henkersbaum

Ob in Buchform oder auf der Leinwand, Katniss Everdeen hat in kürzester Zeit eine gesamte Generation für sich gewonnen. Die Tribute von Panem sind ein wunderbares Beispiel für Jugendliteratur, die sich zurecht auch unter Erwachsenen durchsetzen konnte, und seit Jennifer Lawrence in Hunger Games der jungen Kämpferin Gesicht und Stimme geliehen hat, ist Katniss und ihr Spottvogel-Ruf längst im allgemeinen Kultur-Gedächtnis verankert. So sehr, dass sich bei den jüngsten Aufständen in Thailand der Panem-Salut als allgemeines Freiheits-Symbol durchgesetzt hat.

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Klassik in Szene gesetzt: Hänsel und Gretel

Engelbert Humperdincks Kinderoper Hänsel und Gretel ist in vieler Hinsicht ein einzigartiges Werk. Alleine in ihrem Status als Oper, die vorwiegend an Kinder gerichtet ist, spielt sie in der Opernwelt eine besondere Rolle, und erfreut sich gerade als Einstieg ins Operngenre bis heute größter Popularität.
Die gesamte Oper ist durchkomponiert, aber auch ohne Sprechzeilen ist der Inhalt des Stückes auch für Kinder wunderbar zu verstehen – was sicher nicht zuletzt daran liegt, dass sich die Oper sehr genau an das Grimm’sche Märchen hält. Bis auf wenige Unterschiede wird das Märchen direkt nacherzählt; die Oper widersteht der Versuchung, die simple Geschichte unnötig aufzublähen, und setzt stattdessen eher auf Stimmungsaufbau und Märchenromantik.
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Von Transcendence zu Interstellar

Im Frühling diesen Jahres entwickelte sich das Sciencefiction-Drama Transcendence trotz Starbesetzung zu einem so unerwarteten wie katastrophalen Flop. Die Kritik des Regiedebüts war weitgefächert; die Handlung sei zu flach, zu kompliziert, der Film zu abgehoben oder zu vorhersehbar.
Ich persönlich fand den Film alleine genommen schlichtweg – in Ordnung.

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Verborgene Schätze: Dr. Horrible’s Sing-Along Blog

Die Karriere von Joss Whedon als Musical-Komponist hat eine bemerkenswerte Historie. Als seine Erfolgsserie Buffy – im Bann der Dämonen bereits in der sechsten Staffel war, beschloss der Mann ohne nennenswerten musikalischen Hintergrund, nun eine Musical-Episode einzuflechten, und das mit Liedern aus seiner eigenen Feder. Wie er selbst im Audiokommentar beschreibt, erfuhr er von dem Prinzip des Kontrapunkts etwa erst, als man ihn darauf hinwies, dass er selbigen im Duett zwischen Giles und Tara gerade verwendet habe.
Once more, with Feeling war nicht nur sofort ein Riesenhit; die Folge ebnete auch den Weg für die Tradition von Musical-Folgen, die sich seitdem in praktisch allen länger laufenden Serien ungeachtet des Genres finden, bis hin zur Erfolgsserie Glee, die dieses Prinzip schließlich zum Thema der Serie macht.

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Interstellar – die Vervollkommnung von 2001: Odyssee im Weltraum?

Christopher Nolan hat sich als Regisseur längst einen ganz besonderen Ruf aufgebaut. So unterschiedlich seine Filme in Thema und Setting auch sein mögen, so gelingt es ihnen allesamt, komplexe Gedankenwelten zu erschaffen und den Zuschauer durch oftmals verstörende psychologische Kniffe zum Nachdenken anzuregen. Und das, ohne bei aller Komplexität jemals das Massenpublikum (und damit die Einspielergebnisse) auf der Strecke zu lassen.
Mit Interstellar ist nun Nolans neues Werk in die Kinos gekommen. Das Science-Fiction-Genre an sich hat der Regisseur schon mehrfach betreten, mit Interception und der Dark-Knight-Trilogie, oder eigentlich bereits mit seinem Illusions-Spektakel Prestige. Doch Interstellar ist nun der erste Film, der ganz als klassischer Science-Fiction-Film daherkommt und die Flucht der Menschheit von einer dystopisch verseuchten Erde verfolgt. Und gerade da Setting und Grundthema des Films derart klassisch daherkommen, wurde der Film von Anfang an gespannt beäugt. Würde es Nolan gelingen, seinem Ruf gerecht zu werden, und ein solch konventionell anmutendes Thema zu einem wirklich neuartigen, bahnbrechenden Film zu verarbeiten?
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Dogville, Seeräuber-Jenny und die Alte Dame

Lars von Triers Dogville ist ein seltsamer Film, egal, welche Definition man ansetzen will. Und ich will hier gar nicht anfangen, über den eigentlichen Stil zu reden; über die auf den Boden gezeichneten Kulissen, die (ganz im Sinne Brechts) selbst für eine Theateraufführung bemerkenswert minimalistisch wären. Nein, mich interessiert hier vor allem die Handlung des Films und die Vermischung verschiedener Vorlagen – diese Herkunftsgeschichte ist an sich schon sonderbar genug.
Dogville erzählt die Geschichte eines winzigen Bergdorfes, dessen Bewohner unverhofft mit der Aufgabe konfrontiert werden, einer jungen, vor der Mafia flüchtenden Frau Unterschlupf zu gewähren. Nach anfänglichem Zögern entschließt sich die Dorfgemeinde schnell, Grace in ihrer Mitte aufzunehmen und der Einsamen die Möglichkeit zu geben, ein neues Leben anzufangen. Doch mit der Zeit kehrt sich die schützende Stimmung der Dorfbewohner immer weiter ins Gegenteil, sie beginnen, Grace physisch und sexuell auszunutzen, bis sie schließlich, an ein Wagenrad gekettet, als Sklavin des gesamten Dorfes ihr Leben fristen muss. Als selbst das nicht mehr ausreicht, wird endlich der Entschluss gefasst, das Mädchen doch noch an den Mafiaboss zu verkaufen – der sich allerdings als Graces Vater herausstellt, und auf den Befehl seiner Tochter hin blutige Rache an dem gesamten Dorf verübt.

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Cabin in the Woods und wir, die Uralten Götter

The Cabin in the Woods ist mit Sicherheit ein ungewöhnlicher Film. Während er im Marketing meist als seltsamer, aber doch klassischer Horrorfilm verkauft wurde, ist er in Wirklichkeit sehr viel mehr, und gleichzeitig um einiges weniger als das.
Statt geradlinigen Hollywood-Horror zu verkaufen, werden hier die klassischen Horrorklischees wunderbar verdreht und umgewertet. Der Film lebt von einer äußerst hintergründigen Erzählstruktur, die dem allzu bekannten Horrorkino einige unerwartete – oder wenigstens angenehme – Twists beschert. So nimmt sich das Ganze die alten, zu Tode gelaufenen Klischees und verleiht ihnen eine eigene Bedeutung. Hier macht es Sinn, dass die Blondine dumm ist; gerade über das Haarfärbemittel werden ihr ja Drogen verabreicht. Dass sich die Gruppe in der größten Gefahr aufteilt, liegt an einer chemischen Beeinflussung, die nur dazu dient, die Morde spannender zu gestalten. Die ganzen seltsamen Zufälle, der eingestürzte Tunnel, der Funkausfall in der ganzen Gegend – all das ist Teil der sorgfältig konstruierten Welt, die das geheimnisvolle Unternehmen für die Jugendlichen hergerichtet hat. All das als Teil eines großen Rituals, um die Uralten Götter einmal mehr zufrieden zu stellen.
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Trauere ich einer Zeichentrick-Eiskönigin nach?

Die Disney-Studios sind nicht nur berühmt für ihre Trickfilme, nein, der Name Disney an sich ist weltweit untrennbar mit dem Medium Zeichentrick verbunden. Und doch wurde diese Allianz schon vor vielen Jahren zum ersten Mal offiziell gebrochen; 2004 sollte ausgerechnet Die Kühe sind los das letzte Zeichentrick-Meisterwerk des Studios werden.
Es gab seinerzeit einen Aufschrei, der das gesamte Internet zum Erbeben brachte, nicht zuletzt auch deshalb, weil Disney zu diesem Zeitpunkt alles andere als vertraut mit dem Medium der Computeranimation war – wie der erste Disney-CGI-Film Himmel und Huhn lebhaft bewies. Ich selbst habe damals nicht in den allgemeinen Protest mit eingestimmt, zu abwegig kam mir die Vorstellung vor, dass diese Abwärtsspirale wirklich den zukünftigen Weg des Studios markieren sollte.
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