Kategorie: Literatur & Rezensionen

Dogville, Seeräuber-Jenny und die Alte Dame

Lars von Triers Dogville ist ein seltsamer Film, egal, welche Definition man ansetzen will. Und ich will hier gar nicht anfangen, über den eigentlichen Stil zu reden; über die auf den Boden gezeichneten Kulissen, die (ganz im Sinne Brechts) selbst für eine Theateraufführung bemerkenswert minimalistisch wären. Nein, mich interessiert hier vor allem die Handlung des Films und die Vermischung verschiedener Vorlagen – diese Herkunftsgeschichte ist an sich schon sonderbar genug.
Dogville erzählt die Geschichte eines winzigen Bergdorfes, dessen Bewohner unverhofft mit der Aufgabe konfrontiert werden, einer jungen, vor der Mafia flüchtenden Frau Unterschlupf zu gewähren. Nach anfänglichem Zögern entschließt sich die Dorfgemeinde schnell, Grace in ihrer Mitte aufzunehmen und der Einsamen die Möglichkeit zu geben, ein neues Leben anzufangen. Doch mit der Zeit kehrt sich die schützende Stimmung der Dorfbewohner immer weiter ins Gegenteil, sie beginnen, Grace physisch und sexuell auszunutzen, bis sie schließlich, an ein Wagenrad gekettet, als Sklavin des gesamten Dorfes ihr Leben fristen muss. Als selbst das nicht mehr ausreicht, wird endlich der Entschluss gefasst, das Mädchen doch noch an den Mafiaboss zu verkaufen – der sich allerdings als Graces Vater herausstellt, und auf den Befehl seiner Tochter hin blutige Rache an dem gesamten Dorf verübt.

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Es geschah am hellichten Tag und Das Versprechen – ein Vergleich

Ich bin im Allgemeinen kein großer Krimi-Fan; es ist neben Science-Fiction das einzige Genre, mit dem ich generell wenig anfangen kann. Von dieser Regel gibt es jedoch zwei große Ausnahmen: die Sherlock-Holmes-Bücher von Sir Arthur Conan Doyle und die Kriminalromane von Friedrich Dürrenmatt. Es handelt sich bei den beiden Autoren um die absoluten Enden des Spektrums; sie spannen grob gesagt alles auf, was als Krimi denkbar scheint.
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Der Besuch der Alten Dame: unterschiedliche Blickwinkel von Theaterstück und Musical

Über die Musical-Fassung von Dürrenmatts Der Besuch der Alten Dame habe ich seinerzeit schon einen Artikel geschrieben. Ich war von der Adaption nicht allzu begeistert, dafür weist sie durchgehend zu viele Schwächen auf, aber ich muss zugeben, dass ich mich dennoch nicht von dem Musical lösen kann.
Zum einen liegt das vielleicht daran, dass ich es als eine schmerzhaft verpasste Gelegenheit ansehe. Das Musical hätte wirklich genial werden können; selbst in seiner jetzigen Form hat es stilistische Ähnlichkeiten mit Drama-Größen wie Elisabeth oder Rebecca. Doch das vielversprechende Grundmaterial und die durchaus interessante Musik werden schließlich verwässert durch Texte und Inhaltsänderungen, die einer Seifenoper entsprungen scheinen und durch eigentlich gute Schauspieler, die hier entschlossen scheinen, die schmalzigste Performance ihrer Karriere abzugeben. Wie gesagt, es ist ein Jammer.
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Klassische Werke in neuer Gestalt

Vor einigen Jahren gab es in der Fernsehbranche einen minderen Eklat, als der selbsternannte Literaturgott Marcel Reich-Ranicki während der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises den ihm zugesprochenen Ehrenpreis live ablehnte, mit der Begründung, er „gehöre nicht in diese Reihe“ und fände es „schlimm, dass ich das hier viele Stunden ertragen musste. Diesen Blödsinn, den wir hier zu sehen bekommen haben.“.
Als Reaktion auf Reich-Ranickis ostentative Ablehnung bat ihn daraufhin der Moderator Thomas Gottschalk, mit ihm zusammen eine Diskussionsrunde zum Thema Fernsehen zu führen. Und wirklich wurde eine Woche später das Gespräch der beiden modernen Fernseh- und Literaturikonen ausgestrahlt, unter dem Titel „Aus gegebenem Anlass – Marcel Reich-Ranicki im Gespräch mit Thomas Gottschalk.“.
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Die Elenden: „Ich stahl doch nur ein Brot!“

Victor Hugos 1862 geschriebener Roman Les Misérables oder auf Deutsch auch Die Elenden ist ohne Zweifel eines der großen Werke der Weltliteratur – womöglich das größte überhaupt. Das Buch ist nicht nur den Seiten nach ausnehmend lang, es ist vor allem von seinem Inhalt her wahrlich ausufernd. Hugo hat es geschafft, in diesem Meilenstein der französischen Literatur in unwahrscheinlich viele verschiedene Gebiete einzusteigen, nicht nur, was den Inhalt und den Erzählungsrahmen angelangt, sondern vor allem auch von den philosophischen Themen des Romans her. Er geht ins Absolute, und das für so viele verschiedene Facetten des menschlichen Wesens und des Lebens an sich, dass der Leser am Ende nur sprachlos zurückgelassen wird. Die verschiedensten Themen werden behandelt, übersteigert bis ins Grenzenlose, ohne dabei doch je den realistischen Rahmen zu verlassen, der durch die ganz reellen menschlichen Leidenschaften aufgespannt wird. Das Ergebnis ist groß, ja gewaltig, und es funktioniert – auf philosophischer ebenso wie auf der reinen Handlungsebene.
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Eiskalte Engel – von Gefährlichen Liebschaften und Grausamen Absichten

Die leichtherzige Teenie-Komödie hat sich in Hollywood längst zu einem eigenen Genre entwickelt. Und ganz allgemein gilt: Wenn es in einem amerikanischen Film um eine Gruppe Highschool-Schüler geht, wenn die Hauptthemen ihre jeweiligen Beziehungen und Affairen sind, in einer ausgewogenen Mischung aus Drama und Comedy, dann ist es allgemein nicht verkehrt, das Schlimmste zu erwarten. Aber umso besser ist es, wenn sich ein solcher Film dann als unerwarteter Treffer entpuppt. Denn ab und zu gibt es Filme, die nicht nur an sich ein Juwel darstellen, sondern die es auch ganz nebenbei schaffen, das Vertrauen in die künstlerischen Fähigkeiten der Filmbranche wiederzuerwecken.
Ende der Neunziger gab es eine Zeit, da sich mehrere Filme sich in dieser Hinsicht kurz nacheinander beweisen konnten. Diese Handvoll Filme zeigte nicht nur, dass Teenie-Filme und Beziehungskomödien wirklich klug gemacht sein können, sie bewiesen ganz nebenbei auch, dass es absolut kein Verlustgeschäft sein muss, einem heutigen Publikum im Kino klassische Werke anzubieten.
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Das Prinzip des Fortsetzungsromans

Ich bin ein großer Bücherliebhaber, und ganz besonders ein Fan der Literatur des neunzehnten Jahrhunderts. Und gerade bei den Werken der Autoren dieser Zeit kommt man früher oder später unweigerlich an ein ursprünglich als Fortsetzungsroman geschriebenes Buch. Gerade zu dieser Zeit war der Zeitungs- oder Feuilletonroman für viele Autoren die übliche Veröffentlichungsart, darunter so namhafte Schriftsteller wie Alexandre Dumas, Gustave Flaubert, oder auch Charles Dickens. Wie der Begriff schon andeutet, erschien das Buch dabei jeweils in kleinen Häppchen in einer regelmäßig erscheinenden Zeitung, oft über mehrere Jahre hinweg, und wurde dann bei Erfolg am Ende schlicht noch einmal in gebundener Form herausgebracht.
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Vom Winde verweht – It’s all coming back to me now

Margaret Mitchells 1936 erschienener Roman Vom Winde verweht ist nicht nur einer der großen Klassiker der Weltliteratur, die unstete Hassliebe zwischen Scarlett O’Hara und Rhett Butler ist auch in die Geschichte eingegangen als eines der ganz großen Liebesdramen unserer Zeit. Dabei stellt sich mir immer wieder die Frage, weshalb Buch und Film alleine für die Liebesgeschichte solch notorische Bekanntheit erlangt haben? Gerade im Buch nimmt die Beziehung der beiden ja beileibe nicht den größten Raum ein; es ist ein Entwicklungsroman, ein Kriegsdrama, die Verherrlichung einer untergegangenen Zeit – all das steht weit mehr im Vordergrund als die so berühmt gewordene Liebesgeschichte. Und doch ist das Erste und oftmals Einzige, womit der Durchschnittsmensch die Geschichte beschreiben würde, sicherlich die Liebesbeziehung zwischen den beiden Maultieren im Pferdegeschirr.
Diese Einschätzung geht schließlich so weit, dass Film und Buch heutzutage gerade bei Menschen, die den Inhalt gar nicht kennen, als typische Kitschromanze verschrien sind. Dabei wüsste ich keine Liebesgeschichte, die diese Einschätzung weniger verdient.

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Silberschellen und Klatschmohn – der kleine Prinz, Anna und Mister Gott

Die beiden Werke Der kleine Prinz und Hallo Mister Gott, hier spricht Anna gehören für mich unbestreitbar zu den großen Klassikern der Weltliteratur. Diese beiden Bücher, in denen zwei einmalige, überlebensgroße Kindergestalten verewigt worden sind, scheinen mir auf geradezu sonderbare Weise verwachsen. Weswegen das so ist, lässt sich in einem Satz kaum sagen, aber ein Beispiel mag der Vergleich der berühmtesten Zitate der beiden Bücher sein – zwei Zitate, die eine wenn auch nicht ähnliche, so doch auf seltsame Art verwandte Aussage bieten:
„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
und
„Der Unnerschied von einen Mensch und einen Engel ist leicht. Das meiste von ein Engel ist innen, und das meiste von ein Mensch ist außen.“
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Die Verwendung des Wortes ‚Nigger‘ in Huckleberry Finn

Ich habe einige Zeit darüber nachgedacht, wie ich diesen Artikel schreiben soll. Alleine darüber, wie ich eine Überschrift finde, bei der sich ein Großteil der Leser (und insbesondere die anvisierte Zielgruppe!) nicht sofort empört abwendet. Ehrlich gesagt bin ich ja beinahe erstaunt, dass ich das Wort ‚Nigger‘ in diesem Blog offen ausschreiben und sogar im Titel verwenden darf. Aber natürlich sind all diese Überlegungen ziemlich sinnlos, denn in dem Moment, da ich mich für dieses Thema entschieden habe, war klar, dass ich bei manchen Lesern mit Sicherheit Empörung auslösen werde.
Andererseits geht es hier um Huckleberry Finn, es geht um große Literatur, und solange ich in Sachen Empörung mit Mark Twain in einem Boot sitze, kann ich mich wirklich nicht beschweren.
Kurz gesagt können wir wohl festhalten, dass der Bereich Political Correctness und der richtige Umgang damit ein außerordentlich komplexes Thema darstellen.
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