Kategorie: Filmrezensionen

Die Schöne und das Biest – Zwei Märchen schreibt die Zeit

Es ist immer wieder eine schwierige Frage – wie sollte man Kunstwerke am gerechtesten bewerten? Schließlich ist dabei jedes Mal eine unendliche Menge unterschiedlicher Faktoren und Einflüsse zu berücksichtigen; Herkunft, Wirkung, Gesamtqualität, und, und, und. Und ein ganz besonderes Problem stellen für mich bei dieser Bewertung Filme dar, denn wo wäre die Masse unterschiedlichster Ansatzpunkte für eine Bewertung größer? Man kann das Ganze von der Seite der Emotionen aus angehen, von der reinen Qualität der Geschichte, von den Schauspielern, der Regie – und dabei habe ich von der ewigen Unterscheidung zwischen bestes und liebstes Werk noch gar nicht angefangen.

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Der beste Lobby Boy des Grand Budapest Hotel

Wes Andersons Grand Budapest Hotel ist ohne Zweifel ein faszinierender Film. So simpel die Prämisse klingt – der Concierge Gustave H. wird des Mordes an einer reichen Dame beschuldigt, es beginnt eine Hetzjagd um ein wertvolles Gemälde und um den Beweis seiner Unschuld – so phantastisch überbordend ist die Ausarbeitung. Ja, die Geschichte wird auf eine Weise erzählt, wie es sonst vielleicht nur Amélie Poulain im Drogenrausch schreiben könnte.
Beeindruckend ist gerade, wie der Regisseur es schafft, diesen absurden, irrealen Stil konsequent durch den gesamten Film zu ziehen und ihn durch jede erzählerische Entscheidung nur weiter zu stützen. So wird bereits in den ersten Minuten, in denen die Geschichte auf nicht weniger als vier Zeitebenen ausgebreitet wird, der Tenor klargestellt: Hier handelt es sich nicht um Fakten, nicht einmal um eine Geschichte, die behauptet, Fakt zu sein – es geht um Erzählungen, um lange Überliefertes, das vielleicht einmal wahr gewesen sein mag, doch jeden Anspruch auf Realität seit langem abgegeben hat. Man könnte durch die reale Inspiration, die der Regisseur aus den Büchern Stefan Zweigs gezogen hat, sogar noch eine Meta-Verschachtelung hinzuzählen. Auf jeden Fall ist dem Zuschauer am Ende vollkommen bewusst, dass das Resultat nicht mehr vertrauenswürdig ist – doch wer verlangt schon Vertrauenswürdigkeit, wenn er stattdessen diese Achterbahnfahrt des Erzählens erleben darf?
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Wenn Nord- und Ostwind sich treffen: Mary Poppins & Chocolat

Ich persönlich halte Chocolat für einen charmanten, wundervollen Film, der auf einem äußerst unangenehmen Roman basiert. Ich habe mit Chocolat und Feuervolk zwei sehr unterschiedliche Werke von Joanne Harris gelesen, die mich gemeinsam zu der Meinung gebracht haben, dass ich die hasserfüllten, antireligiös-hetzenden Bücher der britischen Autorin schlicht nicht leiden kann.
Der Film hingegen nimmt nun dieses düstere Buch, entfernt einen Gutteil der negativen Propaganda und lässt nur die Botschaft von Toleranz und Nächstenliebe zurück. Unnötig zu sagen, dass die Autorin selbst von diesen Veränderungen alles andere als begeistert war; sie verglich den Unterschied zwischen Verfilmung und Original mit dem zwischen braver Milchschokolade und echtem, ursprünglichem Zartbitter. Nun, ich bin wohl allgemein die Erste, die dunkle Töne und eine düstere Stimmung in einem Werk zu schätzen weiß – aber was die Romanversion von Chocolat ausmacht, ist nicht Düsternis, sondern die direkte Hetze. Das Buch will in dem „Kampf“ zwischen fundamentalistischer Religion und Toleranz schlicht die eine Seite verkünden, indem es die andere verteufelt.
Wenn der Film dagegen die Geschichte „vernettet“, so geschieht es dadurch, dass er keinen wirklich Bösewicht mehr übrig lässt und die verschiedenen Figuren stattdessen als mehrdimensionale Wesen zeichnet. So macht er aus einem düsteren Kindermärchen mit einer typischen Schwarzweiß-Ideologie eine bezaubernde Erwachsenenparabel mit einer wirklichen Aussage.
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Frollo und Esmeralda – Gebete an Notre Dame

Die Zeichentrickfilme aus dem Hause Disney bewegen sich gewöhnlich in einem bewusst nicht-religiösen Bereich. Es gibt ein paar seltene Figuren wie Schneewittchen, Penny oder Lilo, die beim direkten Gebet gezeigt werden, doch in diesen Fällen geht es nicht um das Gebet an sich, sondern nur darum, die Reinheit und Unschuld der Figuren zu unterstreichen.
Allerdings gibt es im Meisterwerke-Kanon von dieser Maxime eine ganz deutliche Ausnahme: Der Glöckner von Notre Dame. Die Kathedrale Notre-Dame de Paris steht bereits im Namen des Filmes, und das zu Recht. Vom ersten bis zum letzten Bild spielt die gewaltige Kirche eine zentrale Rolle der Handlung, sie wird von den Figuren immer wieder direkt angesprochen und bietet den Schauplatz für beinahe den gesamten Film. Folglich sind in diesem Fall auch religiöse Bilder überall vorhanden, und auch wenn das Thema Christentum selbst nicht allzu deutlich in den Vordergrund gestellt wurde, so weicht der Film der Thematik selten offen aus. Eine nennenswerte Ausnahme ist sicher die Änderung, aus dem Dompropst Frollo einen weltlichen Richter zu machen – eine Entscheidung, die zwar neue Handlungsmöglichkeiten, aber auch einige Logikprobleme öffnete.
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‚Lass jetzt los‘ – die dunkle Hymne der Eiskönigin

Der Erfolg von Disneys Eiskönigin hat längst sämtliche Erwartungen gesprengt. Jüngst wurde der Film mit zwei Oscars ausgezeichnet, er hat die Milliarden-Dollar-Grenze überschritten und ist letzte Woche zum erfolgreichsten Animationsfilm aller Zeiten aufgestiegen. Und speziell das Oscar-prämierte „Lass jetzt los“ bewegt das Internet wie selten ein Disneylied zuvor: Das Lied dient als Material für ungezählte Memes, wieder und wieder werden neue Coverversionen online gestellt und kurz gesagt kann „Lass jetzt los“ schon heute als neue Hymne des Hauses Disney gelten. Wie lässt sich ein so unwahrscheinlicher Erfolg erklären?


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Schwarze Mühlen und Zaubererbrüder

Bei der Geschichte von dem Zauberergesellen Krabat handelt es sich um eine alte Sage, die jahrhundertelang in unterschiedlichen Ausprägungen überliefert wurde. Den festen bildet die Gestalt des kroatischen (daher der Name „Krabat“) Zauberers, der durch die Lande wandelt, ob nun mit guten oder bösen Intentionen.
Die heutzutage bei uns bekannteste Version dieser Sage ist wohl Krabat von Otfried Preußler, auch wenn das 1971 erschienene Buch insgesamt betrachtet nur eine von vielen modernen Bearbeitungen des Stoffes ist: Gerade drei Jahre zuvor veröffentlichte Jurij Brězan seine Adaption Die schwarze Mühle.
Im Gegensatz zu den zuvor gängigen Geschichten über den Zauberer Krabat stellt Brězan in seinem Buch die Vorgeschichte in den Vordergrund. Beinahe die Hälfte des Buches beschäftigt sich mit Krabats Lehrzeit auf der Mühle und seinem wachsenden Widerstand gegen den Meister. Die Betonung liegt dabei immer auf dem Hauptbestreben des jungen Mannes: Er sucht nach Wissen, und er will alles dafür tun, dem Meister seine geheimen Bücher abzuluchsen.
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Warum ich Disneys Robin Hood für tierisch unterschätzt halte

Die siebziger Jahre waren für die Disney Zeichentrickstudios keine sonderlich glorreiche Zeit. Man war immer noch tief erschüttert von Walt Disneys Tod und war Film für Film damit beschäftigt, die funktionierenden Formeln der Vergangenheit anzuwenden – meistens mit eher geringem Erfolg. Dazu kam der nun allseits benutze Xerox-Zeichenprozess, ein Verfahren, das als spezielles Stilmittel eingeführt worden war und als einfaches Kostensenkungsmittel zwei Jahrzehnte lang erhalten blieb – unterstützt durch jede Menge Animations-Wiederverwertung.
Mitten in dieser Zeit, 1977, erschien mit Robin Hood ein Disney-Meisterwerk, dass all diese Punkte auf die Spitze treibt. Nicht nur, dass die Hauptdarsteller dieser simplen Farce einfachheitshalber mit Tieren besetzt sind, es sind sogar „bekannte Gesichter“: Sowohl Balu als auch Kaa haben es geschafft, in diesem Film eine Neuverwertung zu finden. Dazu die Tanzszenen aus Schneewittchen und Aristocats, die Kampfszenen aus Eine tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett – nun gut.
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Zur Welt-Premiere von Pirates of the Caribbean – On Stranger Tides

Im Mai 2011 erblickte der vierte Teil der von mir hochgeschätzten Fluch-der-Karibik-Reihe das Licht der Kinosäle – und ich war seinerzeit verrückt genug, mal eben eine Woche nach Los Angeles zu fliegen, um die Weltpremiere von Pirates of the Caribbean – On Stranger Tides persönlich mitzuerleben.
Was folgt ist der hautnahe, brühwarme und noch in derselben Nacht geschriebene Bericht zu Disneys bislang neuestem Piraten-Abenteuer:
 
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Das Phantom der Oper – 25 Jahre Musicalgeschichte

Als leidenschaftlicher Anhänger sowohl von Gaston Leroux‘ berühmtestem Schauerroman als auch von Andrew Lloyd Webbers Adaption möchte ich den 25. Geburtstag des Musicals mit einem höchst subjektiven Überblick über seine Geschichte feiern – Vorhang auf für Das Phantom der Oper.
 
Nachdem „Le Fantôme de l’Opéra“ seine Premiere als erfolgreicher Fortsetzungsroman in der Zeitung „Le Gaulois“ hatte, erschien das Buch 1911 erstmals in Romanform. Die tragische Liebesgeschichte von Erik, dem entstellten Meister des Pariser Opernhauses und seiner Faszination für die junge Sängerin Christine Daaé ist heute weltbekannt und die Tatsache, das Leroux im Buch immer wieder beschwört, dass die Geschichte auf Tatsachen beruhe, gibt dem Roman noch einen ganz besonderen Reiz.
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Die Schöne und das Biest in 3D

Mit der 3D-Konvertierung erfolgreicher Filmklassiker der letzten Jahrzehnte sind die Filmstudios in den letzten Monaten offenbar auf eine goldene Eier legende Gans gestoßen. Und warum nicht; solange man bereit ist, genug Zeit und Geld in die Überarbeitung zu stecken, ist dies für den Zuschauer ein wunderbarer Anlass, die alten Filme wieder auf der ganz großen Leinwand zu sehen. Natürlich gibt es Stimmen, die sich über die „sinnlose“ Konvertierung ärgern und die Filme lieber in ihrer originalen Version sehen würden, doch seien wir ehrlich: Im Zeitalter von Bluray und Heimkino wäre eine derart „klassische“ Wiederaufführung für die Studios zumindest ein Risikogeschäft, während an der 3D-Version jeder gewinnt. Und für die ganz Harten gibt es im Internet Anti-Polarisationsbrillen zu finden, mit denen man sich 3D-Filme auch in 2D ansehen kann …
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