Kategorie: Filmrezensionen

Interstellar – die Vervollkommnung von 2001: Odyssee im Weltraum?

Christopher Nolan hat sich als Regisseur längst einen ganz besonderen Ruf aufgebaut. So unterschiedlich seine Filme in Thema und Setting auch sein mögen, so gelingt es ihnen allesamt, komplexe Gedankenwelten zu erschaffen und den Zuschauer durch oftmals verstörende psychologische Kniffe zum Nachdenken anzuregen. Und das, ohne bei aller Komplexität jemals das Massenpublikum (und damit die Einspielergebnisse) auf der Strecke zu lassen.
Mit Interstellar ist nun Nolans neues Werk in die Kinos gekommen. Das Science-Fiction-Genre an sich hat der Regisseur schon mehrfach betreten, mit Interception und der Dark-Knight-Trilogie, oder eigentlich bereits mit seinem Illusions-Spektakel Prestige. Doch Interstellar ist nun der erste Film, der ganz als klassischer Science-Fiction-Film daherkommt und die Flucht der Menschheit von einer dystopisch verseuchten Erde verfolgt. Und gerade da Setting und Grundthema des Films derart klassisch daherkommen, wurde der Film von Anfang an gespannt beäugt. Würde es Nolan gelingen, seinem Ruf gerecht zu werden, und ein solch konventionell anmutendes Thema zu einem wirklich neuartigen, bahnbrechenden Film zu verarbeiten?
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Dogville, Seeräuber-Jenny und die Alte Dame

Lars von Triers Dogville ist ein seltsamer Film, egal, welche Definition man ansetzen will. Und ich will hier gar nicht anfangen, über den eigentlichen Stil zu reden; über die auf den Boden gezeichneten Kulissen, die (ganz im Sinne Brechts) selbst für eine Theateraufführung bemerkenswert minimalistisch wären. Nein, mich interessiert hier vor allem die Handlung des Films und die Vermischung verschiedener Vorlagen – diese Herkunftsgeschichte ist an sich schon sonderbar genug.
Dogville erzählt die Geschichte eines winzigen Bergdorfes, dessen Bewohner unverhofft mit der Aufgabe konfrontiert werden, einer jungen, vor der Mafia flüchtenden Frau Unterschlupf zu gewähren. Nach anfänglichem Zögern entschließt sich die Dorfgemeinde schnell, Grace in ihrer Mitte aufzunehmen und der Einsamen die Möglichkeit zu geben, ein neues Leben anzufangen. Doch mit der Zeit kehrt sich die schützende Stimmung der Dorfbewohner immer weiter ins Gegenteil, sie beginnen, Grace physisch und sexuell auszunutzen, bis sie schließlich, an ein Wagenrad gekettet, als Sklavin des gesamten Dorfes ihr Leben fristen muss. Als selbst das nicht mehr ausreicht, wird endlich der Entschluss gefasst, das Mädchen doch noch an den Mafiaboss zu verkaufen – der sich allerdings als Graces Vater herausstellt, und auf den Befehl seiner Tochter hin blutige Rache an dem gesamten Dorf verübt.

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Cabin in the Woods und wir, die Uralten Götter

The Cabin in the Woods ist mit Sicherheit ein ungewöhnlicher Film. Während er im Marketing meist als seltsamer, aber doch klassischer Horrorfilm verkauft wurde, ist er in Wirklichkeit sehr viel mehr, und gleichzeitig um einiges weniger als das.
Statt geradlinigen Hollywood-Horror zu verkaufen, werden hier die klassischen Horrorklischees wunderbar verdreht und umgewertet. Der Film lebt von einer äußerst hintergründigen Erzählstruktur, die dem allzu bekannten Horrorkino einige unerwartete – oder wenigstens angenehme – Twists beschert. So nimmt sich das Ganze die alten, zu Tode gelaufenen Klischees und verleiht ihnen eine eigene Bedeutung. Hier macht es Sinn, dass die Blondine dumm ist; gerade über das Haarfärbemittel werden ihr ja Drogen verabreicht. Dass sich die Gruppe in der größten Gefahr aufteilt, liegt an einer chemischen Beeinflussung, die nur dazu dient, die Morde spannender zu gestalten. Die ganzen seltsamen Zufälle, der eingestürzte Tunnel, der Funkausfall in der ganzen Gegend – all das ist Teil der sorgfältig konstruierten Welt, die das geheimnisvolle Unternehmen für die Jugendlichen hergerichtet hat. All das als Teil eines großen Rituals, um die Uralten Götter einmal mehr zufrieden zu stellen.
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Eine Nacht auf dem kahlen Berg – schauriges Glanzlicht der Animationskunst

Wenn mein liebstes Stück Zeichentrick die Nussknacker-Suite (insbesondere Der Tanz der Zuckerfee) in Fantasia ist, so ist das meiner Meinung nach beste Stück Animation überhaupt im selben Film zu finden: Es ist das letzte Segment, Mussorgskis Eine Nacht auf dem kahlen Berg.
Der Film Fantasia ist an sich ja schon ein reines Fest der Zeichentrickkunst. Der gesamte Film ist pure Poesie; eine aus dem Besten der Musik erschaffene Bildkunst. Und wenn die nachfolgenden Package-Filme auch einige nette Ideen beinhalten und der Nachfolger Fantasia 2000 seine ganz eigenen Vorzüge hat, so kann man doch feststellen, dass ein solch ambitioniertes Projekt seither nicht wieder in Angriff genommen wurde.

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Es geschah am hellichten Tag und Das Versprechen – ein Vergleich

Ich bin im Allgemeinen kein großer Krimi-Fan; es ist neben Science-Fiction das einzige Genre, mit dem ich generell wenig anfangen kann. Von dieser Regel gibt es jedoch zwei große Ausnahmen: die Sherlock-Holmes-Bücher von Sir Arthur Conan Doyle und die Kriminalromane von Friedrich Dürrenmatt. Es handelt sich bei den beiden Autoren um die absoluten Enden des Spektrums; sie spannen grob gesagt alles auf, was als Krimi denkbar scheint.
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Sin City 2 – erstklassiges Sequel, zweitklassiger Film?

Sin City – der Originalfilm – beginnt mit einer unabhängigen Episode um Liebe und Mord, so intensiv und berückend, wie sie kurz ist. Es gibt keine Erklärung dazu, der unbedarfte Zuschauer weiß von den Handlungsimpulsen und den äußeren Umständen praktisch gar nichts, doch er fühlt alles. Die Sequenz ist gerade für diesen Film ein genialer Startschuss; sie schafft Atmosphäre und zieht das Publikum unweigerlich in diese verstörende Welt hinein.
Ganz am Ende des Films wir diese Szene noch einmal kurz aufgegriffen; mit einem letzten Schlussbild wird die Verbindung zu einer anderen Geschichte gezogen und so als Buchende der gesamte Film perfekt abgeschlossen.

Sin City: A Dame to Kill For beginnt ebenfalls mit einer Kurzepisode. Wir treffen Marv, eine der Hauptfiguren beider Filme, und erleben ihn in einem kurzen Einzelabenteuer. Es gibt keine direkte Verbindung zum ersten Film, und doch sind sofort alle Zusammenhänge klar ersichtlich.
So werden die Fans von Sin City perfekt abgeholt; sofort ergibt sich das Gefühl, wieder ganz in der altvertrauten Welt angekommen zu sein. Und dass sich der Stil im Vergleich zum ersten Film leicht verändert hat, gerade durch das Hinzufügen der genial-stilisierten 3D-Effekte, verstärkt den Sog des Filmes höchstens noch.

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Eiskalte Engel – von Gefährlichen Liebschaften und Grausamen Absichten

Die leichtherzige Teenie-Komödie hat sich in Hollywood längst zu einem eigenen Genre entwickelt. Und ganz allgemein gilt: Wenn es in einem amerikanischen Film um eine Gruppe Highschool-Schüler geht, wenn die Hauptthemen ihre jeweiligen Beziehungen und Affairen sind, in einer ausgewogenen Mischung aus Drama und Comedy, dann ist es allgemein nicht verkehrt, das Schlimmste zu erwarten. Aber umso besser ist es, wenn sich ein solcher Film dann als unerwarteter Treffer entpuppt. Denn ab und zu gibt es Filme, die nicht nur an sich ein Juwel darstellen, sondern die es auch ganz nebenbei schaffen, das Vertrauen in die künstlerischen Fähigkeiten der Filmbranche wiederzuerwecken.
Ende der Neunziger gab es eine Zeit, da sich mehrere Filme sich in dieser Hinsicht kurz nacheinander beweisen konnten. Diese Handvoll Filme zeigte nicht nur, dass Teenie-Filme und Beziehungskomödien wirklich klug gemacht sein können, sie bewiesen ganz nebenbei auch, dass es absolut kein Verlustgeschäft sein muss, einem heutigen Publikum im Kino klassische Werke anzubieten.
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Hätte Disneys Maleficent je funktionieren können?

Ich hatte erwartet, dass Maleficent schlecht sein würde. Ich hatte auch erwartet, dass der Film erfolgreich wird. Was ich nicht erwartet hatte, war, dass er den Leuten gefallen würde. Ja, während die Kritiker eher zweifeln und die offensichtlichen Probleme herausstellen, zeigen sich die Zuschauer allgemein absolut überschwänglich.
Ich weiß nicht, woran das liegen könnte. Ist es die beeindruckende Optik des Films, der für Disneyfans nicht unerhebliche Nostalgie-Faktor, oder einfach generell die momentane Antihelden-Stimmung? Ich selbst fand den Film jedenfalls zum größten Teil schauderhaft – merke, nur zum größten Teil. Denn da gab es trotz allem immer wieder diesen Funken, dieses besondere Etwas, dass die Frage aufstellt, ob der Film über die böse Fee aus Dornröschen jemals hätte funktionieren können.
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Disneys Märchenenden: Wenn die Erlösung auf sich warten lässt

Einer der wichtigen Punkte beim Geschichtenerzählen ist es, das Ende der Geschichte richtig vorzubereiten und dann auf die stärkstmögliche Weise darzustellen. Und was wäre – gerade bei einer schlichten Märchenerzählung – dabei für ein großes Finale geeigneter als ein zu brechender Fluch? Wenn es den Zauber zu lösen, den Liebsten zu erretten gilt, ja, dann stehen die Einsätze hoch, das Fristende ist fest gesetzt, und die Gelegenheit für ein wunderbar packendes Finale ergibt sich quasi von selbst. Und daher ist es auch kein Wunder, dass die Aufhebung des Fluches und die Rettung in letzter Sekunde seit jeher zum Standardrepertoire der Disney’schen Märchen gehören.

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Zeichentrick und die Kunst des Stilbruchs

Ich liebe die Kunstrichtung der animierten Filme. Bei der Animation – wörtlich etwa „Beseelung“- geht es mehr als bei allen anderen Kunstarten darum, aus dem Nichts neues Leben zu schaffen, und das auf eine Weise, die dem Künstler selbst so unendlich viele Wege öffnet, sich auszudrücken.
Es ist an sich schon faszinierend, wie viele Möglichkeiten es überhaupt gibt, eine Reihe bewegter Bilder zu einer Geschichte zusammenzuflechten. Die Option, aus einer Reihe von Fotos einen normalen Live-Action-Film zu komponieren, ist ja nur eine unter so vielen. Alle anderen Optionen, ob es nun um Puppentrick geht, um gezeichnete Bilder, Schattentheater oder computergenerierte Filme, wird dabei ganz selbstverständlich unter den einen Begriff der Animations- oder Trickfilme gesteckt. Nun ist solch eine Verallgemeinerung ja nicht ein Problem an sich, man sollte sich nur bewusst sein, welch riesiges Potenzial an Kunst und moderner Kultur hinter diesem Begriff verborgen liegt. Es handelt sich hier um extrem starke Art der künstlerischen Ausdrucksmöglichkeit – ein Bereich, der nicht in seiner Gesamtheit als einfache Kinderunterhaltung abgestempelt werden sollte.
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