Kategorie: Filmrezensionen

Black Swans Finale oder Die Premiere von Schwanensee


Eines der künstlerisch ambitioniertesten Filmprojekte der letzten Jahre ist mit Sicherheit Darren Aronofskys Verarbeitung des Schwanensee-Stoffes in Gestalt von Black Swan, ein Werk, über dessen Genialität kaum noch ein Wort verloren werden muss.
Neben dem eigenen Inhalt des Films, der selbst genug Raum zu Interpretationen bietet, lässt sich zusätzlich eine Menge in das Grenzspiel zwischen Realität und Wahnsinn hineinlesen. So könnte der gesamte Film als eigene Schwanensee-Adaption gesehen werden, in der Nina als Odette auftritt, Lily als Odile und die Hauptrolle in dem Ballett als der von beiden begehrte Prinz. Zu dieser Überlegung fügt sich auch die Tatsache, dass der Film mit dem Prolog des Balletts beginnt und mit dem Finale endet; beides mit Nina in der Rolle eines perfekten Weißen Schwans.
Auch wenn seit Erscheinen des Films vielleicht schon alles Interessante zu dem Werk gesagt scheint, will ich doch die Gelegenheit nutzen, noch einmal meine eigenen Gedanken zu dem gemeinsamen Finale von Film und Ballett aufs Papier zu bringen – in der Hoffnung, dass sie vielleicht sogar helfen, dieses Kleinod noch ein wenig mehr zu schätzen.
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Schönheit und Tod in Venedig

Venedig ist sicherlich eine der faszinierendsten und sonderbarsten Städte überhaupt. Vollkommen auf dem Wasser erbaut, bietet jedes Bild der Lagunenstadt einmalige und unverwechselbare Aussichten auf alte Kirchen, schmale Kanäle und pittoreske Gehwege. Und die Fotos der Lagunen und der goldenen Paläste mit ihrem Prunk sind ohne Zweifel weltbekannt. Aber eine andere, sehr viel interessantere Seite der Stadt liegt zur gleichen Zeit eher versteckt – um sie zu finden muss man wirklich dort hinreisen, und einen Tag nur damit verbringen, durch unerforschte Gassen zu streifen; am besten ohne Stadtplan, Zeitlimit und vor allem ohne Ziel.

Das Venedig, das dann zum Vorschein kommt, lässt sich für mich am besten so beschreiben: Was geschähe, wenn ein wahnsinniger Multimilliardär Tim Burton die Mittel zur Verfügung stellen würde, eine ganze Stadt nach eigenem künstlerischen Gutdenken zu entwerfen und aufzubauen? Ich rede hier nicht von Spiralen und schwarz-weißen Streifenmustern, sondern von dem morbiden Stil, der so viel von Burtons Werk auf ausschlaggebende Weise durchzieht. Der Künstler, der seine Freude daran hat, Flickenpuppen und halb verweste Leichen als zarte Schönheiten darzustellen, könnte keine morbidere Stadt erschaffen, als das Venedig, das sich hinter der hauchdünnen Touristenfassade verbirgt.
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Herr der Fliegen, Peter Pan und die Unschuld der Kinder

William Goldings Meisterwerk Herr der Fliegen ist ein grausames Buch. Es ist eine Erzählung von der Brutalität der Kinder, von Verrohung und Entmenschlichung und von dem Verlust der Unschuld.
Herr der Fliegen zeichnet ein Bild der Menschheit anhand einer Gruppe Kinder, die auf einer einsamen Insel gestrandet sind. Während die sechs bis zwölfjährigen Jungen zu Beginn noch fest vorhaben, eine geordnete Gesellschaft aufrechtzuerhalten, kippt das mühsam erhaltene Gefüge allzu bald ab: Die Kinder wenden sich gegeneinander, die kulturelle Erziehung fällt Stück für Stück zusammen und bald herrschen auf der Insel nur noch Gewalt und das Gesetz des Stärkeren.
vlcsnap-2015-09-24-10h11m46s221 Diese Geschichte könnte wohl alleine durch die dargestellte Grausamkeit wirken, doch die Genialität von Herr der Fliegen liegt darin, dass das Buch bei weitem mehr tut. Wenn es dem Buch heute noch genauso wie vor fünfzig Jahren gelingt, seine Leser zu schockieren und fassungslos zurückschrecken zulassen, so liegt das nicht an der Gewalt, die die jungen Hauptfiguren wirklich auswirken. Es ist viel mehr der Bruch zum Anfang des Buchs, als alle Jungen noch gemeinsam dabei sind, eine funktionierende Gesellschaft aufzubauen und zusammenzuarbeiten, und die Darstellung dessen, wie diese anfängliche Zusammenarbeit mehr und mehr auseinandergerissen wird. Die Kinder werden vom Herrn der Fliegen, von ihrer eigenen inneren Bestie, immer weiter zerrissen und korrumpiert. Es ist eine Geschichte von Zivilisation und Ordnung, und davon, wie zerbrechlich diese kulturellen Konstrukte wirklich sind.

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Alles steht Kopf: Pixars neuster Geniestreich

Bei Kunstwerken, die als für alle Altersklassen geeignet gelten, unterscheide ich meist in zwei Kategorien: Es gibt an Erwachsene gerichtete Werke, die so allgemeingültig erzählt sind, dass sie auch Kinder ansprechen, und Kinderwerke, die so grandios sind, dass sie auch Erwachsenen gefallen. Ersteres sind für mich die hochphilosophischen Romane von Michael Ende, zweiteres die farbenprächtigen Zauberwelten von Astrid Lindgren.
Was Pixars neuestes Werk angeht, so findet sich Alles steht Kopf ganz klar in der zweiten Gruppe wieder. Es ist ein Kinderfilm durch und durch, und dabei ist er so perfekt, dass er ohne Probleme ein universelles Publikum anspricht.

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Mary Poppins‘ Dachfirsttanz: Step in Time, You Step in Time!

Ich habe nun schon mehrfach über die Disney’sche Verfilmung von Mary Poppins geschrieben, aber aus irgendeinem Grund komme ich doch immer wieder auf dieses filmische Meisterwerk zurück. Einer der spannenden Punkte des Films liegt für mich darin, wie die charakterlich und stimmungsmäßig so unterschiedlichen Teile des Films sich am Ende zu einem kohärenten und zusammengehörigen Ganzen verbinden. Da gibt es die großen Showstopper, „Ein Löffelchen voll Zucker“ und „Supercalifragilisticexpialigetisch“, die dem Publikum als bunte, fetzige Tanznummern fest im Gedächtnis bleiben. Für so manchen Gelegenheits-Zuschauer werden sie auch den allgemeinen Charakter des Films definieren – Mary Poppins, das große Disney-Spektakel über die fröhliche Zauber-Nanny.
mary-poppins-disneyscreencaps.com-9852 Aber diese Stilrichtung alleine hätte den Film sicher nicht in die zeitlose Klassiker-Riege gehoben, in der er sich heute befindet. Und auch bei den bekannten, „großen“ Mary-Poppins-Liedern finden sich „Chim Chim Cheree“ und „Füttert die Vögel“, zwei schwermütige, moll-lastige Melodien, die als Liedfetzen beziehungsweise als Hintergrundmusik den gesamten Film durchziehen. Gerade diese schweren, durchaus melancholischen Teile des Films sind es, die den fröhlichen Tanznummern erst Inhalt und Rückgrat verleihen, und die dem Zuschauer das Gefühl geben, nicht nur ein reines „lustiges Disney-Musical“ vor sich zu haben, sondern einen vollwertiges, ernstzunehmendes Stück Filmkunst.
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Moulin Rouge und Mamma Mia – zwei Arten des Jukebox-Musicals

Seit einigen Jahren schon hat sich in der internationalen Musical-Szene ein neuer Trend breitgemacht: das Erfolgskonzept der aus bekannten Hit-Songs zusammengesetzten Jukebox-Musicals. Es ist ein Konzept, das gleichermaßen intuitiv wie ermüdend erscheint. Natürlich werden die Zusammenschnitte der großen Klassiker einer Band immer ein gewisses Publikum finden; diese zu 80% auf reiner Nostalgie aufgebaute Idee scheint ganz klar ein sicherer Geldmacher zu sein. Aber während gegen ein entsprechendes Best-Of-Konzert sicher nichts zu sagen wäre, ist das Ergebnis der entsprechenden Best-Of-Musicals im besten Fall bemüht.
vlcsnap-2015-08-06-08h14m12s0 Realistisch gesehen ist es nun einmal kaum möglich, aus ein paar beliebigen, willkürlich vordefinierten Band-Hits ein kohärentes, storytechnisch qualitatives Musical zusammenzuschustern. Per Definition haben die Texte der Lieder selten irgendetwas miteinander zu tun und stellen ausschließlich einzelne Solo-Nummern dar, so dass damit in einem größeren Werk sowieso nur die Arien abgedeckt werden können – für Rezitative ist schlicht kein Material vorhanden. Und da diese einzelnen Arien auf irgendeine Weise aufeinander abgestimmt werden müssen, bleiben meist auch alle Lieder auf der Strecke, die irgendeine Art von spezifischerem Inhalt haben. So bleibt gerade für die besten und beliebtesten Songs vieler Bands nur ein Platz als Zugabe übrig – an storytragender Stelle lassen sich Lieder wie „Bohemian Rhapsody“ oder „Fernando“ eben nicht ohne weiteres hineinquetschen. Es ist eine simple Rechnung: Je einfacher und nichtssagender der Inhalt eines Klassikers, desto einfacher lässt sich ein Platz im neuen Handlungsverlauf des Jukebox-Musicals finden.
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Alles steht Kopf: Ist Ekel Tinker Bells neue Pixar-Schwester?

Die bisherige Geschichte zwischen Pixar und Disney ist geprägt durch eine einzigartige Mischung von Zusammenarbeit, gegenseitiger Unterstützung und geschwisterlichem Konkurrenzdenken. Auch wenn die beiden Studios seit Pixars Entstehen eng miteinander verwachsen waren und seit einigen Jahren nun ganz offiziell dem gleichen Haus angehören, so hat das die einzelnen Animateure und Mitarbeiter doch nie daran gehindert, sich gegenseitig kritisch zu beäugen und auf den Prüfstand zu setzen. Gar mancher Pixar-Vertreter sieht das jüngere Studio gar als den wahren Weiterträger von Walt Disneys hehrem Erbe, dass sie gegen das bräsig gewordene Mutterstudio mit Händen und Füßen verteidigen müssen – eine Sicht, die auf Disney-Seite ganz und gar nicht geschätzt wird.
Diese (meist wohlwollenden) Zänkereien haben ihren Weg schon mehr als einmal in Pixars Filme selbst geschafft. In Die Unglaublichen gibt es gegen Ende eine Szene, in der Disney-Urgesteine Frank Thomas und Ollie Johnston in einem Cameo bezüglich der Incredibles bemerken: „So muss das gemacht werden. Das ist die alte Schule.“ Und im Filmplot von Ratatouille will sogar mancher eine Allegorie auf Walt Disney, den Niedergang seines Studios und Pixars mühsame Weiterführung seines Erbes sehen.

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Die Eiskönigin und Elisabeth – zwischen Loslassen und Aufgeben

Es sind nun anderthalb Jahre vergangen, seit Die Eiskönigin für einen Überraschungserfolg in den Kinosälen sorgte, und bislang ist kein Nachlassen in der Beliebtheit des Films zu spüren. Im Gegenteil: Diese Woche erst hat in Disneyland Paris die Bühnenshow zum Film gestartet, und ein offizielles Musical und eine Fortsetzung des Filmes sind gerade erst in Planung.
Dabei ist denke ich nach wie vor klar, der riesige, unerwartete Erfolg des Films hängt alleine an einer Szene: Lass jetzt los, das ursprünglich als starker Bösewicht-Moment geplante Lied, das zu einer noch viel stärkerer Freiheits-Ballade umgedeutet wurde.

So großartig Elsas große Nummer mit Sicherheit ist, so kann ich das Lied doch nicht hören, ohne daran zu denken, wie gerne der Text im allgemeinen Bewusstsein uminterpretiert wird. In einem anderen Artikel habe ich mich bereits darüber ausgelassen, dass Lass jetzt los bei genauerer Betrachtung immer noch ein klassisches Bösewicht-Lied darstellt. Aber auch wenn man die Szene im bestmöglichen Sinne liest, als Moment der lange ersehnten Befreiung, so zeigen sich Inhalt und Aussage des Liedes gerade im Zusammenhang des Films doch mehr als fragwürdig. Insbesondere, wenn man anfängt, Elsa mit einer anderen starken, freiheitssuchenden Eisprinzessin zu vergleichen: Elisabeth.
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Black Widow, die Froschprinzessin und das Problem der Rollenbilder

Um all den Kritiken, die im Internet herumschwirren, noch mein eigenes Statement hinzuzufügen: Ich finde das Konzept der Marvel-Filmreihe ein mutiges Unterfangen, das die Zuschauer erstaunlich ernst nimmt und alleine dafür seinen Erfolg verdient hat. Für mich ist Avengers: Age of Ultron genau, was er sein sollte, ein kurzweiliger, rasanter Popcorn-Streifen. Und speziell Black Widow halte ich für eine ausgereifte, vielschichtige Action-Heldin, bei der ich mich über jeden zusätzlichen Auftritt freue.
Und dennoch habe ich momentan gewaltige Angst vor der Möglichkeit eines eigenen Black-Widow-Films.

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Um mich deutlicher auszudrücken: Ein gut gemachter Film um Natasha Romanova, der seine Hauptfigur ernst nimmt und sich qualitativ an die anderen Marvel-Filme anlehnt, wäre ein absoluter Traum. Black Widow liefert definitiv genug Material für ihre eigene Geschichte und genügend Ausstrahlung, einen eigenen Film zu tragen – immerhin ist sie das einzige Avengers-Mitglied, das nun bereits in zwei der Filme ihrer Kollegen als wichtige Nebenfigur (oder gar weibliche Hauptfigur) brillierte. Hätte Black Widow vor dem Kinostart von Avengers bereits ihren eigenen Film bekommen, so bin ich zuversichtlich, dass es mein persönlicher Favorit der Serie geworden wäre. Aber mittlerweile sieht die Lage etwas anders aus.
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Ultron, Pinocchio und die Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz oder KI ist praktisch seit jeher ein wichtiges Thema im Bereich Science-Fiction. Ganz gleich ob es sich nun um ein alternatives Universum handelt wie in Star Wars, um eine betont realistisch gehaltene Zukunftsvision wie Interstellar oder um ein reines Comedy-Werk wie Per Anhalter durch die Galaxis: Kaum eine klassische Science-Fiction-Welt kommt ohne die Hilfe freundlich gestimmter, menschenähnlicher Roboter aus.
R2D2-C3PO_EP4-KEY-63_R_8x10 Bemerkenswert dabei ist, dass eine starke KI von den „großen“ Science-Fiction-Tropes wohl die realistischste und naheliegendste Vorstellung ist – und gleichzeitig wäre eine KI, wie sie in den meisten Werken dargestellt wird, aller Voraussicht nach ein äußerst unwahrscheinlicher Dauerzustand. Wenn es einmal eine „richtige“ KI gäbe, so ist es wahrscheinlich, dass sie die Rolle des freundlichen, menschenähnlichen Begleiters im Nu hinter sich lassen würde. Ob nun gutartig gestimmt oder nicht, eine hochentwickelte KI würde sich wohl in kürzester Zeit über den Stand des Menschen hinwegentwickeln und damit quasi auf eine höhere, uns weit überlegene Stufe aufsteigen.
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