The Cabin in the Woods ist mit Sicherheit ein ungewöhnlicher Film. Während er im Marketing meist als seltsamer, aber doch klassischer Horrorfilm verkauft wurde, ist er in Wirklichkeit sehr viel mehr, und gleichzeitig um einiges weniger als das.
Statt geradlinigen Hollywood-Horror zu verkaufen, werden hier die klassischen Horrorklischees wunderbar verdreht und umgewertet. Der Film lebt von einer äußerst hintergründigen Erzählstruktur, die dem allzu bekannten Horrorkino einige unerwartete – oder wenigstens angenehme – Twists beschert. So nimmt sich das Ganze die alten, zu Tode gelaufenen Klischees und verleiht ihnen eine eigene Bedeutung. Hier macht es Sinn, dass die Blondine dumm ist; gerade über das Haarfärbemittel werden ihr ja Drogen verabreicht. Dass sich die Gruppe in der größten Gefahr aufteilt, liegt an einer chemischen Beeinflussung, die nur dazu dient, die Morde spannender zu gestalten. Die ganzen seltsamen Zufälle, der eingestürzte Tunnel, der Funkausfall in der ganzen Gegend – all das ist Teil der sorgfältig konstruierten Welt, die das geheimnisvolle Unternehmen für die Jugendlichen hergerichtet hat. All das als Teil eines großen Rituals, um die Uralten Götter einmal mehr zufrieden zu stellen.

Während die Storyline des Films in diesen ganzen Twists in sich stimmig bleibt, stellt sich doch die Frage, wo die Verbindung zu unseren altbekannten Horrorklischees überhaupt herkommt? Wieso verlangen die Götter in Cabin in the Woods gerade dieses Ritual, das genau zu den gängigsten Filmklischees unserer Zeit führt?
Der erste Grund ist einigermaßen offensichtlich. Der Film wird ja generell dafür gelobt, dass er alle klassischen Hollywood-Horrorfilme erst zusammenführt. Weshalb läuft das Ritual genau so ab wie die Handlung von Halloween, House of Wax und unzähligen anderen Horrorfilmen? Eben genau deshalb, weil all diese Filme nur weitere Rituale an die Uralten Götter in der Welt von Cabin in the Woods dargestellt haben. So kann man eine ganze Horror-Welt mit einem Mal ganz einfach einordnen: Das Universum dieses Films schließt einfach sämtliche Horrorfilme dieses Schemas in sich ein – und bietet in sich erst eine Erklärung für die unlogisch konstruierten Klischees der anderen Filme.

Aber der Kopf, der hinter diesem Film steht, ist immer noch Joss Whedon, und man könnte geradezu enttäuscht sein, wenn er sich in seinen Bedeutungsgraden auf eine Meta-Ebene beschränken würde. Nein, der eigentliche Punkt des Films geht noch mindestens eine Ebene weiter.
Wer sind denn die Götter, die so herrisch über die Einhaltung der Tradition und Gepflogenheiten wachen? Die Menschenopfer für ihr Vergnügen brauchen, und ein großangelegtes, perfekt durchstrukturiertes Unternehmen dazu, nur um ihnen zu genügen?
Die Antwort ist nach kurzem Überlegen offensichtlich: Es sind wir, für die dieser ganze Zinnober in Hollywood tagtäglich veranstaltet wird. Wir verlangen Unterhaltung, je blutiger und schockierender, desto besser. Und das in einem solchen Maße, in solch einer Geschwindigkeit, dass für Neuerungen und Originalität kaum Zeit besteht. So muss das alte Muster Mal für Mal ausreichen – umso mehr, als wir sowieso am liebsten etwas Altvertrautes vorgesetzt bekommen. Und dass die nötigen Zufälle und Umstände in den Plotlines dann eben geradezu mit Gewalt konstruiert werden, ist dabei kaum noch der Rede wert.
Wir stellen gewisse Erwartungen an unsere Kino-Unterhaltung, wir haben ganz spezielle Sehgewohnheiten – auch wenn sie, wie im Film erwähnt, von Kultur zu Kultur ganz unterschiedlich ausfallen können. Und ob die letzte Jungfrau am Ende stirbt oder nicht, ist uns beinahe egal; wichtig ist nur die Show.
Wenn noch irgendein Indiz für diese Theorie nötig ist, so wird es in der ersten Schrifteinblendung des Abspanns geliefert. Hier wird die Rolle von Sigourney Weaver als „director“ angegeben – was man durchaus mit „Chefin“ übersetzen kann, was aber im Kontext des Filmgeschäftes vor allem für „Regisseur“ steht. Es ist das Allererste, was im Abspann zu sehen ist, und befindet sich damit an der Stelle, die gewöhnlich dem Regisseur des Filmes vorbehalten ist.

Whedons vielgelobtes Werk funktioniert auf mehreren Ebenen, aber die meiner Meinung nach umfassendste ist ein Kommentar auf die gesamte Filmbranche insgesamt. Auf die Notwendigkeiten der Filmschaffenden, auf die stets zu befriedigenden Erwartungen des unersättlichen Publikums, und seinen immerwährend drohenden Unmut, der für jeden Filmemacher den Untergang der Welt bedeuten kann.